Andrina Sarott

Andrina Sarott

Andrina Cristina Sarott

 

Bun di, buenos dias, guten Tag et bonjour

Ein verregneter Sonntagnachmittag in Scuol im Unterengadin. Am Esstisch der Familie Sarott wird leidenschaftlich diskutiert. Während der Vater, Flurin-Andry, auf Romanisch über das Wetter lamentiert, unterhalten sich Andrinas Nona und die Mutter Dominique auf Französisch. Daneben erzählt Andrina ihrer Schwester Madlaina aus ihrem Leben als Studentin – auf Deutsch. Zwischendurch fallen spanische Ausdrücke und wenn man Glück hat, auch mal ein japanisches «Joto mate kudasai» (entschuldige bitte). Was für einen Aussenstehenden sehr chaotisch aussehen muss, ist für Andrina völlig normal.

Sie hat Bündner Wurzeln, daher auch der Name Sarott, was übersetzt so viel wie «Herr Otto»bedeutet. Ihre Mutter ist in Südamerika und Japan aufgewachsen, die Grossmutter stammt ursprünglich aus der Welschschweiz.

Andrina wohnt unter der Woche in einer 1.5-Zimmer Wohnung in Chur und verbringt die Wochenenden meist bei ihrem Freund Silvan Hofer im Glarnerland oder bei ihrer Familie in Veltheim (AG). Trotz ihrer Verbindung zum Kanton Graubünden, fühlt sie sich in Chur noch nicht heimisch. «Ich bin im Dorf aufgewachsen, dort sagt man sich noch Grüezi auf der Strasse, hier in Chur nicht.» Sie ist im Aargau geboren und aufgewachsen, hat dort die Bezirks- und später dieKantonsschule besucht: «Ich bin eine Aargau-Patriotin, hier ist mein Zuhause!»

«Mathe ist für mich

einfach nicht logisch»

«Andrina ist sehr verständnisvoll und sensibel. Mit ihr könnte ich stundenlang über Gott und die Welt diskutieren», sagt Eva Diriwächter, eine ehemalige Mitschülerin. Andrina wusste schon damals, ihre Prioritäten richtig zu setzen. Sie war fleissig, ehrgeizig und hatte höchstens eine Schwäche: «Mathe ist für mich einfach nicht logisch», meint die 21-jährige Studentin. Ihr liegen eher die kreativen Fächer und auch mit Fleissarbeit, wie Theorie auswendig lernen, hat sie keine Mühe.

Andrina ist gerne draussen in der Natur. Sie ist sehr tierlieb, hat selber zwei Katzen und ist schon seit längerem Vegetarierin. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich viel mit Musik. Dabei interessiert sie sich auch für die Hintergründe der jeweiligen Künstler und informiert sich über deren Geschichte oder die Bedeutung der Liedertexte. Aufgrund dieser Begeisterung für die Musik, wuchs auch ihre Faszination für das Radio. Sie besuchte mehrere Radio- und Fernsehsender, was sie in ihrer Entscheidung, in der Medienwelt arbeiten zu wollen, zusätzlich bestärkte. Nach einem Praktikum als Cutterin bei Astramedia in Adliswil entschied sie sich schliesslich, das Multimedia Studium an der HTW Chur aufzunehmen. Sie erwartet von dieser Ausbildung eine gute Vorbereitung auf die Medienwelt, um danach einen kreativen Beruf beim Radio oder Fernsehen ausüben zu können.

Im Unterricht habe ich sie als aufmerksame und fleissige, aber eher ruhige Studentin kennengelernt. Bei Gruppenarbeiten ergreift sie gerne die Initiative, bringt kreative Ideen und unterstützt ihre Kommilitonen, wo sie nur kann. «Sie ist manchmal fast zu lieb und versucht, es allen recht zu machen. Das kann für sie selbst ziemlich belastend sein», erinnert sich eine ehemalige Schulkollegin.

„Nur wer weiss, woher er kommt,

weiss auch, wohin er geht.“

Bei der Frage, wen sie bewundere, überlegt Andrina einen Moment und streicht sich eine ihrer braunen Strähnen aus dem Gesicht. «Menschen, die sich für etwas einsetzen, zum Beispiel der kolumbianische Sänger Juanes.» Über ihn hat sie auch ihre Maturaarbeit geschrieben und seine Lieder auf geschichtliche, politische und soziale Aspekte analysiert. «Er versucht, durch seine Lieder der Welt die Probleme seines Landes näher zu bringen. Das bewundere ich», antwortet sie und ihre grünbraunen Augen sehen verträumt in die Weite. Sie selber konnte 2009 mit ihrer Familie auf einer Reise durch Südamerika die Kultur Kolumbiens kennenlernen. Auf den Spuren ihrer Mutter, die ihre Kindheit dort verbrachte, erlebte die Familie viele bewegende Augenblicke. Ihre Herkunft ist Andrina sehr wichtig: «Nur wer weiss, woher er kommt, weiss auch wohin er geht.»

A revair, adiós, auf Wiedersehen et au revoir

Natalie Achermann (Oktober 2010)