{"id":383,"date":"2012-08-31T10:50:20","date_gmt":"2012-08-31T08:50:20","guid":{"rendered":"http:\/\/natalie-achermann.ch\/?p=383"},"modified":"2012-08-31T10:59:17","modified_gmt":"2012-08-31T08:59:17","slug":"ein-modell-macht-den-bau-begreifbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.natalie-achermann.ch\/?p=383","title":{"rendered":"\u00abEin Modell macht den Bau begreifbar\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00abEin Modell macht den Bau begreifbar\u00bb<\/strong><\/p>\n<p><em>Die Modellwerkstatt der HTW Chur erbringt Leistungen f\u00fcr externe Auftraggeber, aber auch f\u00fcr die Fachhochschule selbst. Der Wissensplatz besuchte die Dienstleistungsstelle und erfuhr unter anderem, wieso es trotz den M\u00f6glichkeiten im virtuellen Raum noch reale Modelle braucht.<\/em><\/p>\n<p>\u00abBasteln Sie uns mal ein Modell!\u00bb \u2013 Solche und \u00e4hnliche Aufforderungen erh\u00e4lt Thomas Kamm von seinen Auftraggebern leider nicht selten. Der Leiter der Modellwerkstatt des HTW-Instituts f\u00fcr Bauen im alpinen Raum leidet unter dem Ruf des Bastlerberufs. \u00abViele sehen leider nicht, was wirklich alles dahintersteht\u00bb, erkl\u00e4rt der erfahrene Architektur-Modellbauer. Dabei brauche es eine hohe technische Kompetenz, ein ausgepr\u00e4gtes Raumplanungswissen und auch ein architektonisches Flair f\u00fcr den Bau von Modellen. Auch die professionelle Infrastruktur darf dabei nicht fehlen. \u00abModellbau ist kein Bastelberuf \u00bb,\u00a0betont Kamm, w\u00e4hrend er die T\u00fcren seiner Werkstatt \u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Hier sind in den letzten sieben Jahren unz\u00e4hlige Modelle f\u00fcr die unterschiedlichsten Anwendungen hergestellt worden. Pro Jahr entstehen in der Modellwerkstatt zwischen 30 und 50 Modelle. Sie k\u00f6nnen als Kommunikations-, Planungs- und Verkaufsinstrumente dienen. Das k\u00f6nnen architektonische Bauten oder Stadtmodelle sein, die als Planungsgrundlage verwendet werden. H\u00e4ufig erstellt Kamm auch Modelle f\u00fcr Architekturwettbewerbe. Eines seiner spannends- ten Projekte waren Modelle f\u00fcr einen Br\u00fcckenwettbewerb. \u00abDie Modelle haben gezeigt, wie die verschiedenen Br\u00fccken das Landschaftsbild ver\u00e4ndern und wie das Ganze zum Schluss aussehen k\u00f6nnte.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Dienstleistung von Grund auf<\/strong><\/p>\n<p>Der Modellbau ist in erster Linie eine Dienstleitung. In der Werkstatt werden Auftr\u00e4ge von aussen realisiert, also Profimodelle f\u00fcr Architekten, Ingenieure, Bau\u00e4mter und Gemeinden hergestellt. Der Prozess beginnt aber schon viel fr\u00fcher: bei der kompetenten Beratung. \u00abDie meisten Auftraggeber wissen gar nicht, welche Informationen es braucht, um ein Modell zu erstellen und vor allem, wie sie diese beschaffen k\u00f6nnen\u00bb, erkl\u00e4rt Kamm. Meistens erhalten die Modellbauer nur eine einfache Skizze einer Situation mit einem kurzen Beschrieb, wof\u00fcr das Modell verwendet werden soll.<\/p>\n<p>\u00abWir haben in der Werkstatt jedoch die M\u00f6glichkeit, weiterf\u00fchrende Dienstleistungen anzubieten. Insbesondere organisieren wir die Daten, die es f\u00fcr ein solches Projekt braucht.\u00bb Danach werden anhand des Katasterplans und fotogrammetrischer Daten, die die Werkstatt aus externer Hand bezieht, die H\u00f6henkurven gezeichnet und ein Grundlagenmodell erstellt. \u00abDas ist eine spezialisierte Arbeit, die nicht viele Modellbauer anbieten k\u00f6nnen.\u00bb Unter einem Grundlagenmodell versteht man dabei ein Modell, das die Umgebungssituation, also das Gel\u00e4nde, abbildet, worauf sp\u00e4ter das Projekt gebaut wird.<\/p>\n<p>Thomas Kamm kann aufgrund seiner langj\u00e4hrigen Erfahrung eine umfassende Beratung anbieten. Oft erstellt er f\u00fcr den Kunden auch eine sinnvolle Modellbeschreibung, anhand derer danach die Ausschreibung f\u00fcr den Auftrag des Modellbaus gemacht werden kann. \u00abAus der Beratung entsteht der Auftrag, der offiziell ausgeschrieben wird, und wenn alles passt, erhalten wir ihn manchmal auch.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Mehr Modelle als fr\u00fcher<\/strong><\/p>\n<p>Auf die Frage, ob die Digitalisierung den Modellbau mehr und mehr verdr\u00e4nge, hat Kamm eine klare Antwort: \u00abDas ist nicht so!\u00bb Bereits vor 30 Jahren, als die ersten Rechner in die B\u00fcros eingezogen sind, sei die Frage im Raum gestanden: Hat dieser Beruf \u00fcber- haupt eine Zukunft? \u00abDoch das Auftragsvolumen hat in den letzten Jahren eher zugenommen.\u00bb Der Beruf habe sich jedoch ver\u00e4ndert, f\u00fchrt Kamm aus. Fr\u00fcher h\u00e4tten sie noch mehr Innenraummodelle gemacht, was heute fast nur noch mit dem CAD-Programm visualisiert werde. Doch am Bildschirm bleibt ein Objekt nun mal immer zweidimensional. Die Leute trauen aber heute dem digitalen Bild nicht mehr, so Kamms Erfahrung. \u00abDas Modell vermittelt eine sinnliche Erfahrung. Man schaut mit den H\u00e4nden, erf\u00e4hrt das Geb\u00e4ude durch Abtasten. Es macht den Bau begreifbar.\u00bb Modelle brauche es also mehr denn je, ver\u00e4ndert hat sich durch die technische Entwicklung vor allem die konkrete Arbeit des Modellbauers.<\/p>\n<p><strong>Digitale Hilfen f\u00fcr reale Modelle<\/strong><\/p>\n<p>Was f\u00fcr den Modellbauer fr\u00fcher der Pinsel war, ist heute die Spritzpistole und anstelle des Messers tritt ein vollautomatisierter 2,5-D-Fr\u00e4s-Schneideplotter. Dieser hat die Modellbauwerkstatt vor rund einem Jahr erstanden. Der Plotter schneidet, fr\u00e4st und graviert die verschiedensten Materialien. Die Daten kann der Modellbauer direkt aus den verschiedenen Bearbeitungsprogrammen wie Illustrator oder Auto-Cad an die Steuersoftware des Plotters \u00fcbergeben.<\/p>\n<p>Diese hochmoderne Technik k\u00f6nnte morgen jedoch bereits wieder veraltet sein, denn die volle 3-D-Bearbeitung ist heute bereits ein wichtiges Thema. \u00abIn diesem Prozess sind wir auch im Modellbau zunehmend gefordert.\u00bb Momentan ist gem\u00e4ss Kamm die 3-D-Drucktechnik jedoch noch nicht ausgereift: \u00abDer Ablauf ist noch zu analog zum normalen Druck. Ausserdem ist die Oberfl\u00e4chenqualit\u00e4t f\u00fcr unsere Anspr\u00fcche im Architektur-Modellbau noch ungen\u00fcgend.\u00bb Zudem fehle auch die andere Seite. Viele Kunden w\u00e4ren noch gar bereit f\u00fcr eine 3-D-Planung. Darum ergibt die Anschaffung eines 3-D-Druckers f\u00fcr die Modellwerkstatt noch keinen Sinn. \u00abEs gilt jedoch, den richtigen Zeitpunkt, sich in diesen Pro- zess einzuklinken, nicht zu verpassen\u00bb, meint Kamm. Er glaubt, dass dieser in den n\u00e4chsten zwei bis drei Jahren sein wird.<\/p>\n<p>Bereits in Planung ist in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Institut f\u00fcr Informationswissenschaft der HTW ein Digitalisierungslabor. In diesem soll eine hochaufl\u00f6sende Bildbearbeitung m\u00f6glich sein. Neben dem allf\u00e4lligen 3-D-Drucker und einem professionellen Fotostudio soll dem Labor auch ein 3-D-Scanner zur Verf\u00fcgung stehen. \u00abSomit k\u00f6nnten wir dem Kunden ein sinnvolles Rundum-Paket anbieten. Das Know-how ist bereits vorhanden.\u00bb<\/p>\n<p><strong>H\u00f6here Semester sch\u00e4tzen Modellbau<\/strong><\/p>\n<p>Neben den Dienstleistungen nach aussen hat die Modellbauwerkstatt auch noch einen zweiten Aufgabenbereich \u2013 die Studentenbetreuung. Die Modellbauer unterst\u00fctzen die angehenden Architekten und Ingenieure bei ihren Projekten im Studium. Sie erstellen beispielsweise die Grundlagenmodelle, worauf die Studenten sp\u00e4ter ihre Projekte realisieren k\u00f6nnen. Ausserdem haben diese die M\u00f6glichkeit, Modellbau als Wahlfach zu belegen. \u00abNach Besuch des Wahlfachs ist ein enormer Unterschied in ihren Arbeiten zu erkennen, das ist sehr spannend\u00bb, meint Kamm. Meistens seien es eher die oberen Semester, die dieses Fach belegen. \u00abDie Erstsemestler haben noch das Gef\u00fchl, das brauche man nicht.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Offizielles Graub\u00fcnden hat Werkstatt noch nicht entdeckt <\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn es an Auftr\u00e4gen nicht mangelt, etwas ist Kamm aufgefallen : \u00abVon der Stadt Chur oder dem Kanton Graub\u00fcnden haben wir bis jetzt noch nie direkt einen Auftrag erhalten.\u00bb Grunds\u00e4tzlich erachtet er es als eine Gratwanderung, wenn eine Fachhochschule Dienstleistungen anbietet. Einerseits d\u00fcrfe die Realwirtschaft nicht konkurrenziert werden, andererseits sei es unabdingbar, Dienstleistungen anzubieten, die der wirtschaftlichen Forschung dienen.<\/p>\n<p>Natalie Achermann (Januar 2012)<\/p>\n<p><strong>Diesen Bericht habe ich f\u00fcr das Magazin der HTW Chur \u00abWissensplatz\u00bb als freie Mitarbeiterin geschrieben. Die entsprechende Ausgabe als PDF kann hier heruntergeladen werden:\u00a0<\/strong><span style=\"color: #0000ff;\"><a title=\"Magazin Wissensplatz als PDF\" href=\"http:\/\/www.fh-htwchur.ch\/uploads\/media\/HTW_Wissensplatz_1201.pdf\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #0000ff;\">Wissensplatz Ausgabe 1\/2012<\/span><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abEin Modell macht den Bau begreifbar\u00bb Die Modellwerkstatt der HTW Chur erbringt Leistungen f\u00fcr externe Auftraggeber, aber auch f\u00fcr die Fachhochschule selbst. 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