{"id":553,"date":"2012-09-07T10:41:51","date_gmt":"2012-09-07T08:41:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.natalie-achermann.ch\/?p=553"},"modified":"2012-09-07T10:41:51","modified_gmt":"2012-09-07T08:41:51","slug":"unternehmer-furs-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.natalie-achermann.ch\/?p=553","title":{"rendered":"Unternehmer f\u00fcrs Leben"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Rinaldo Willy<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.natalie-achermann.ch\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/rinaldo.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-556\" title=\"rinaldo\" src=\"https:\/\/www.natalie-achermann.ch\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/rinaldo-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.natalie-achermann.ch\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/rinaldo-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.natalie-achermann.ch\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/rinaldo-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.natalie-achermann.ch\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/rinaldo-120x80.jpg 120w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong><em>Mit 32 Jahren hat Rinaldo Willy bereits acht Unternehmungen gegr\u00fcndet und plant die Umsetzung seiner n\u00e4chsten Gesch\u00e4ftsidee. Heute \u00f6ffnet Willy seine T\u00fcren f\u00fcr den \u00abWissensplatz\u00bb und gew\u00e4hrt uns einen Einblick in das Leben eines Jungunternehmers.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Etwas mulmig ist mir schon zumute, als ich den Besucherraum der Algordanza betrete. Hier empf\u00e4ngt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Rinaldo Willy \u00fcblicherweise seine Kunden, und hier \u00fcbergibt er ihnen, was von der Asche ihrer verstorbenen Liebsten \u00fcbrig geblieben ist: ein funkelnder Diamant.<\/p>\n<p>Die Gesch\u00e4ftsidee, aus menschlichen \u00dcberresten einen Erinnerungsdiamanten herzustellen, ist doch ziemlich aussergew\u00f6hnlich. Aber Rinaldo Willy wollte bekannte Schemen schon immer brechen: \u00abIch bin es mir gewohnt, out of the box zu denken\u00bb, meint der Jungunternehmer. Mit 23 wagte er mitten im Studium den Schritt in die Selbstst\u00e4ndigkeit. \u00abDer Drang, eine eigene Firma zu gr\u00fcnden, war schon immer da.\u00bb Damals studierte er berufsbegleitend Betriebswirtschaft an der HTW Chur. Dieser Studiengang bot ihm die M\u00f6glichkeit, auch ohne Berufsmaturit\u00e4t zu studieren. Willy, der eine klassische KV-Ausbildung in einem Treuhandb\u00fcro absolviert hatte, konnte so ohne Zusatzschleife seinen vorgesehenen Karriereweg verfolgen. Geradlinig, zielstrebig \u2013 so wie er es mochte.<\/p>\n<p>In diesem dreij\u00e4hrigen Studiengang habe Willy einen Einblick in alle wichtigen Bereiche eines Unternehmens erhalten und vor allem gelernt, wo er nachschauen muss, wenn er etwas nicht weiss.<\/p>\n<p><strong>Leben vom Tod<\/strong><\/p>\n<p>Die Gesch\u00e4ftsidee f\u00fcr sein erstes Unternehmen entwickelte Willy zusammen mit Veit Brimer, einem Gastdozenten der HTW Chur. In einem Artikel lasen\u00a0sie von einem russischen Wissenschaftler, der aus verbrannten Pflanzenstoffen Diamanten z\u00fcchtete. Der Gedanke, dass vielleicht auch aus menschlicher Asche ein Diamant entstehen k\u00f6nnte, liess die beiden nicht mehr los. Nachdem technische wie auch ethische Fragen gekl\u00e4rt waren, setzten sie die Idee in die Tat um. Willys erstes Unternehmen, die Algordanza, stellt in einem chemischen und physischen Prozess aus Kremationsasche sogenannte Erinnerungsdiamanten her. \u00abDer Diamant galt schon immer als Symbol ewiger Liebe. F\u00fcr die Hinterbliebenen ist es eine M\u00f6glichkeit, ihre Wertsch\u00e4tzung gegen\u00fcber dem verstorbenen Menschen auszudr\u00fccken.\u00bb Nat\u00fcrlich gab es auch kritische Stimmen in Willys Freundeskreis : \u00abViele waren sehr skeptisch, oder gar geschockt, als ich ihnen von unserer Idee erz\u00e4hlt habe. Mittlerweile stehen sie dem Thema aber sehr offen gegen\u00fcber.\u00bb Aus der ersten Skepsis wurde jeweils schnell Neugierde, und schlussendlich entstand bei den meisten die Grundhaltung: \u00abEigentlich eine sch\u00f6ne Idee, f\u00fcr mich w\u00e4re es aber nichts.\u00bb<\/p>\n<p>Die Transformation der Asche erfolge mit gr\u00f6sster Sorgfalt und Piet\u00e4t, die W\u00fcrde des Verstorbenen zu wahren sei Willy dabei besonders wichtig.<\/p>\n<p><strong>Aller Anfang ist schwer<\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong>\u00abDie ersten zwei Jahre waren schon hart. Wir steckten jeden Franken in die Firma. Als wir dann unseren ersten Lohn beziehen und sp\u00e4ter sogar die erste Mitarbeiterin einstellen konnten, war das schon ein grossartiges Gef\u00fchl.\u00bb Mittlerweile besch\u00e4ftigt Willy 56 Mitarbeiter in 27 L\u00e4ndern. In den letzten acht Jahren gr\u00fcndete er weitere Firmen. \u00abDie Sempre Fides Diamonds ist auf den Markt der Tiere spezialisiert. Es werden beispielsweise Diamanten aus der Asche verstorbener Haustiere gez\u00fcchtet.\u00bb Danach folgte ein neuer Gesch\u00e4ftszweig im Lifestylebereich. Die Firma Augenstern mit Sitz in St. Moritz stellt Diamanten aus Haaren her: \u00abF\u00fcr den 80. Geburtstag der Grossmutter kann jedes Familienmitglied eine Str\u00e4hne beisteuern, und so entsteht ein sehr pers\u00f6nliches Geschenk\u00bb, erkl\u00e4rt Rinaldo Willy.<\/p>\n<p><strong>Umgang mit dem Tod<\/strong><\/p>\n<p>\u00abDer Tod ist etwas ganz Nat\u00fcrliches, und umso fr\u00fcher einem dies bewusst ist, umso fr\u00fcher lernt man das Leben wirklich zu sch\u00e4tzen.\u00bb Willy ist bedingt durch seinen Job oft mit diesem Thema konfrontiert. Dies habe ihm aber auch eine gewisse Lebensqualit\u00e4t eingebracht: \u00abIch lebe viel bewusster. Fr\u00fcher stand ich viel mehr unter Leistungsdruck und habe immer versucht, mir etwas zu beweisen. Heute versuche ich die Gegenwart bewusst zu geniessen.\u00bb<\/p>\n<p>Obwohl er gelernt hat, mit den verschiedenen Schicksalsschl\u00e4gen umzugehen, die ihm in seinem Arbeitsalltag begegnen, gibt es immer wieder F\u00e4lle, die ihm sehr nahe gehen. \u00abEs ist immer schrecklich, wenn Kinder sterben&#8230; An solchen Tagen f\u00e4llt es mir schon schwer, nach Feierabend abzuschalten.\u00bb Dabei hilft es ihm, in seinem Wohnort Rapperswil-Jona joggen zu gehen, aber vor allem seine Verlobte Anja gibt ihm in einem solchen Moment den n\u00f6tigen Halt. \u00abSie steht immer hinter mir und h\u00e4lt mir den R\u00fccken frei, daf\u00fcr bin ich ihr sehr dankbar.\u00bb<\/p>\n<p><strong>\u00abIch w\u00e4re ein schlechter Angestellter\u00bb<\/strong><\/p>\n<p>Mit seinen 32 Jahren kann Rinaldo Willy bereits auf eine sehr erfolgreiche Laufbahn zur\u00fcckblicken. \u00abIch bin kein materialistischer Mensch. Geld ist f\u00fcr mich nur ein\u00a0Werkzeug.\u00bb Erfolg bedeute f\u00fcr ihn, einer Arbeit nachzugehen, die ihm Spass macht. \u00abIch w\u00e4re ein schlechter Angestellter. Es w\u00e4re schrecklich, wenn ich von Montag bis Freitag, 8.00 \u201317.00 Uhr arbeiten m\u00fcsste.\u00bb Er arbeite sehr viel, auch an den Wochenenden, aber die freie Zeit- und Arbeitseinteilung ist ihm dabei wichtig. \u00abIch bin ein freiheitsliebender Mensch.\u00bb Vielleicht spielen hier auch seine B\u00fcndner Wurzeln eine Rolle. Willy ist in den Bergen in Zuoz aufgewachsen.<\/p>\n<p>Am Ziel angelangt ist Willy trotz seiner steilen Karriere noch lange nicht. \u00abEin richtiger Unternehmer wird nie zur Ruhe kommen.\u00bb In der T\u00e4tigkeit an sich sieht Willy das Ziel. Zurzeit baut er eine neue Gesch\u00e4ftsidee auf \u2013 Swiss Whisky. \u00abDabei denke ich in erster Linie nicht an mich, Whisky ist langlebig und der Aufbau braucht Zeit.\u00bb Willy m\u00f6chte mit diesem neuen Gesch\u00e4ftsfeld vor allem den Grundstein f\u00fcr ein gesundes Familienunternehmen legen. Vielleicht lautet sein n\u00e4chstes Projekt dann: die Gr\u00fcndung einer Familie.<\/p>\n<p><em>Zur Person:<\/em><\/p>\n<p><em>Aufgewachsen ist der heute 32-j\u00e4hrige Rinaldo Willy in Zuoz. Nach einer kaufm\u00e4nnischen Lehre in einem Engadiner Treuhandb\u00fcro folgte ein einj\u00e4hriger Auslandaufenthalt in Amerika. Danach studierte er berufsbegleitend Betriebswirtschaft an der HTW Chur und arbeitete bei der Graub\u00fcndner Kantonalbank im Back- office. Mit 23 Jahren gr\u00fcndete er sein erstes Unternehmen, die Algordanza. Seither verwirklichte der Jungunternehmer erfolgreich mehrere Gesch\u00e4ftsideen. Neben dem Segeln z\u00e4hlt auch das Lesen und Joggen zu seinen Hobbys.<\/em><\/p>\n<p>Natalie Achermann (Juli 2012)<\/p>\n<p><strong>Dieses Portr\u00e4t habe ich f\u00fcr das Magazin der HTW Chur \u00abWissensplatz\u00bb als freie Mitarbeiterin geschrieben. Die entsprechende Ausgabe als PDF kann hier heruntergeladen werden:\u00a0<\/strong><span style=\"color: #0000ff;\"><a title=\"Magazin Wissensplatz als PDF\" href=\"http:\/\/www.fh-htwchur.ch\/uploads\/media\/wissensplatz_2_2012.pdf\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #0000ff;\">Wissensplatz Ausgabe 2\/2012<\/span><\/a><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rinaldo Willy Mit 32 Jahren hat Rinaldo Willy bereits acht Unternehmungen gegr\u00fcndet und plant die Umsetzung seiner n\u00e4chsten Gesch\u00e4ftsidee. Heute \u00f6ffnet Willy seine T\u00fcren f\u00fcr den \u00abWissensplatz\u00bb und gew\u00e4hrt uns einen Einblick in das Leben eines Jungunternehmers. 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