Marlene Gerber

Marlene Gerber

Marlene Gerber

 

«Du und Bibliothekarin, das passt doch»

Für das Alumni-Porträt reiste der « Wissensplatz » nach Pratteln und traf dort in der Person von Marlene Gerber eine Bibliothekarin aus Leidenschaft, die zu ihren Hobbys Fussball zählt.

Die Tür der Gemeindebibliothek Pratteln geht schwungvoll auf und vor mir steht eine freundlich lächelnde Frau. Sie passt so gar nicht zum eher verstaubten Image, das Bibliotheken anhaftet. Marlene Gerber leitet die Gemeindebibliothek Pratteln seit dem 1. April 2011 und hat sich an diesem Vormittag extra Zeit für mich genommen, obwohl die Bibliothek in den Sommerferien nur am Mittwochnachmittag geöffnet ist. Als Bibliotheksleiterin gehört neben dem Führen dreier Mitarbeitenden auch klassische Bibliotheksarbeit zu ihren Aufgaben: Bücher ausleihen und sich um administrative Aufgaben kümmern.

«Bibliotheken wird es immer geben»

Trotz der allgemeinen Digitalisierung und der damit fast überall leicht verfügbaren Information glaubt Marlene Gerber an die Zukunft der Bibliotheken:  «Bibliotheken wird es immer geben!» Es sei wichtig, dass Informationen nicht nur im Internet, wo man nicht allen Quellen Glauben schenken darf, zur Verfügung gestellt werden. Natürlich müssen das Angebot und die Aufmachung laufend angepasst und auf die Kundenbedürfnisse abgestimmt werden. Sie spürt aber die Akzeptanz und das Interesse ihrer Kunden, die teilweise jede Woche vorbeikommen. Insbesondere Familien mit Kindern kommen häufig. «Den Kindern alle Bücher zu kaufen, die sie lesen möchten, würde die Eltern in den Ruin treiben», erklärt sie lachend. Gerber weist auch darauf hin, dass ein Buch physisch in den Händen zu halten doch ein anderes Erlebnis sei, als es auf dem Laptop oder E-Reader zu lesen. «Ich bin gerne von Büchern umgeben, ich liebe Bücher!», sagt sie mit einem den Zuhörer ansteckenden Enthusiasmus.

«Bücher dienen mir zur Unterhaltung»

Doch wie verlief der Weg von der Bücherliebhaberin Marlene Gerber bis hin zur Bibliothek in Pratteln? Zwei Jahre studierte sie an der Universität Basel Anglistik und Germanistik, bevor sie das Studium abbrach und sich neu orientierte. Das Germanistikstudium sei nicht das Richtige für sie gewesen. «Bücher dienen mir in erster Linie zur Unterhaltung, jedes Werk bis ins kleinste Detail zu analysieren und zu sezieren, daran bin ich nicht interessiert.» Von einem Kollegen wurde sie auf den Studiengang Information und Dokumentation an der HTW Chur aufmerksam gemacht. «Du und Bibliothekarin, das passt doch!», meinte er und weckte so Gerbers Interesse an diesem Berufsweg. Nachdem sie ein Praktikum in der Universitätsbibliothek Basel absolviert hatte, war sie sich sicher, dass dies der richtige Weg war.

Aufbau des Lehrgangs miterlebt

Sie meldete sich für den «Information und Dokumention» – Lehrgang an der HTW Chur an, der sich inzwischen Information Science nennt. Marlene gehörte 1999 zum zweiten Jahrgang dieses damals noch neuen Studiengangs. Einige Dinge seien noch nicht so gut organisiert gewesen und vieles sei bei ihnen zum ersten Mal ausprobiert worden – sodass sich die Studierenden oft in der Rolle von Versuchskaninchen wiederfanden. «Es war eine sehr spannende, aber definitiv keine einfache Zeit!», meint Marlene Gerber rückblickend. Doch gerade diese schwierige Situation habe sie für ihre künftigen Aufgaben gut vorbereitet. Der Studienort Chur war für Gerber gegeben, da dieser Lehrgang in der Deutschschweiz nur dort angeboten wird. «Chur hat mir gut gefallen, auch wenn am Anfang die Vorstellung, hier studieren zu müssen, schon etwas abschreckend war.» So schwierig die ersten Wochen in dieser ungewohnten Umgebung für sie waren, genauso sehr vermisste sie später die Stadt in den Bergen.

Zurück nach Liestal mit Abstecher zur FIFA

Nach dem Studium erhielt Marlene eine Stelle bei Bibliomedia in Solothurn, wo sie das erlernte Wissen als Bibliothekarin erstmals in die Praxis umsetzen konnte. Viereinhalb Jahre arbeitete sie in der sogenannten Bibliothek der Bibliotheken, bevor sie die Chance für einen Traumjob erhielt. Ihr wurde eine Stelle als Dokumentalistin beim Weltfussballverband, der FIFA, angeboten. Marlene, die leidenschaftlich Fussball spielt, damals noch in der 1. Liga, ergriff die Möglichkeit, ihr Hobby mit dem Beruf zu verbinden. «Es war eine sehr interessante Zeit, die ich nicht missen möchte, doch ich musste feststellen, dass mir die Aufgabenbereiche Dokumentation und Archivierung nicht gleichermassen zusagten wie die Arbeit in einer Bibliothek.»

Als dann die Stelle der Bibliothekarin in Pratteln frei wurde, schickte sie eine Bewerbung los. Heute schätzt sie an der neuen Stelle besonders den direkten Kundenkontakt: «Auf die Wünsche der Kunden einzugehen, ist etwas, das ich meiner Meinung nach gut kann und auch gerne mache. Und wenn dann das Feedback kommt ‹ Hey, das Buch war wirklich super ›, dann habe ich meinen Job gut gemacht!» Trotzdem ist sie froh, einmal etwas anderes gesehen zu haben, gerade auch, um zu merken, wo sie wirklich hingehört.  «Am ersten Tag, als ich hier in Pratteln die Bibliothek betrat, hatte ich ein Lachen im Gesicht, weil ich mich so sehr gefreut hatte, endlich wieder Bücher um mich zu haben.»

Natalie Achermann (August 2011)

Diesen Bericht habe ich für das Magazin der HTW Chur «Wissensplatz» als freie Mitarbeiterin geschrieben. Die entsprechende Ausgabe als PDF kann hier heruntergeladen werden: Wissensplatz Ausgabe 2/2011