Für immer schlank

Für immer schlank

Für immer schlank

Wir kennen Sie alle, die verlockenden Versprechungen, die uns auf so manchen Frauenzeitschriften entgegenspringen: „Bikinifit in 30 Tagen“, „7 Kilo weg in 2 Wochen“ oder „Last minute Diät fürs kleine Schwarze“. Das Fitnessmagazin SHAPE präsentiert in der aktuellen Ausgabe das nächste Diät-Wunder: „Die neue Shape-Diät“ steht unter dem Motto „für immer schlank“. Welche Frau kann da noch widerstehen? Ich nicht – der Beginn eines Selbstversuches.

Nur um dies von Anfang an vornweg zu nehmen: Ich bin kein disziplinierter Mensch. Zumindest nicht, was die Ernährung anbelangt. Ich liebe währschaftes Essen. Teigwaren kommen bei mir fast täglich auf den Tisch, am liebsten mit einer Rahmsauce und viel Käse. Die Schokolade zum Dessert oder die Kekse vor dem abendlichen Spielfilm sind fast schon zur Routine geworden. Das Ziel dieser Diät ist eine dauerhafte Ernährungsumstellung. Dafür stellt mir das Magazin einen detaillierten Ernährungsplan für die nächsten zehn Tage zur Verfügung – und eines kann ich euch verraten: Teigwaren stehen da nicht täglich auf dem Speiseplan. Er soll mein über die Jahre erlerntes Essverhalten in die richtigen Bahnen lenken. „3 Kilo alle 10 Tage“ verspricht die Autorin.

Nun gut. Es ist an der Zeit, die zentimeterdicke Staubschicht auf meiner Waage zu entfernen und den ersten Schritt zu wagen. 72.1kg zeigt das Display. Aber hey, dazu muss ich auch noch klarstellen, dass dies bei einer Körpergrösse von 182cm durchaus noch im normalen Bereich liegt. Dennoch wäre es mir lieber, die Waage würde ein paar Kilo weniger anzeigen.

Mein erster Tag beginnt mit einem Kokos-Orangenmüsli. Um 10:00 Uhr der erste Snack: Apfel-Möhre-Drink (schmeckt genauso seltsam, wie es klingt.) Zum Mittagessen gibt es eine Orangen-Möhren Suppe, der Nachmittagssnack besteht aus einem Thunfisch-Sandwich und zum Abschluss des Tages esse ich ein Rinderfilet mit Tomatensauce und Salat. Gehungert habe ich heute also nicht. Doch eins ist klar, wenn ich nach diesen 10 Tagen nicht abgespeckt habe, dann sicherlich mein Portemonnaie.

Am nächsten Morgen dann der kritische Blick auf die Waage: – 0.3kg. Vielleicht ein erster Erfolg, vielleicht aber auch nur eine natürliche Gewichtsschwankung. Auch heute stehen wieder 5 Mahlzeiten bzw. Snacks in meinem Diät Coach. „Fünfmal am Tag hält schlank“ schreibt die Autorin in der Einleitung, doch wieso? „Durch regelmässig über den Tag verteilte kleine Snacks können Sie Ihren Blutzuckerspiegel konstant halten. Sie sind länger satt und vermeiden so Heisshungerattacken.“ lautet die Erklärung der Autorin.

Heute, es ist bereits der dritte Tag meiner Diät, gibt es in der Mensa Lasagne, während vor meiner Nase ein Kichererbsensalat mit Melone steht. Die Idee mit dem Selbstversuch erscheint mir in diesem Moment ziemlich absurd, doch noch bleibe ich stark. Am nächsten Tag zeigt sich: Die Disziplin hat sich gelohnt, die Wage zeigt 0.4kg weniger als am Tag zuvor. Ausserdem kann sich das heutige Frühstück sehen lassen: Ein Sandwich mit Räucherlachs.

Ich bin nun in der Halbzeit. Mittlerweile dreht sich in meinem Kopf alles nur noch ums Essen. Wann habe ich Zeit, die vorgeschriebenen Menüs vorzubereiten? Wie transportiere ich als Pendlerin, 5 Mahlzeiten? Ist es schon wieder Zeit für den nächsten Snack? Wann bekomme ich endlich wieder einmal Teigwaren? Die Planung dieses Unterfangens ist komplizierter, als angenommen. In den letzten Tagen verbrachte ich einen grossen Teil meiner Freizeit in der Küche. So auch heute. Neben dem Mandelmilchreis zum Abendessen, koche ich nun auch gleich die beiden Mahlzeiten für Tag Nr. 6 und bereite die Snacks vor. Dass morgen wieder ein Möhren-Apfel-Drink auf dem Plan steht begeistert mich nur mässig.

Die lang ersehnten Penne stehen am siebten Tag auf dem Speiseplan, zwar nur die Vollkorn Variante und nicht gerade mit meiner Lieblingssauce (all Arrabiata), aber ich will ja nicht meckern. Die Menüs beginnen sich nun teilweise zu wiederholen (Leider nicht das Pasta-Gericht). An die kleinen Portionen habe ich mich mittlerweile gut gewöhnt und meine Heisshungerattacken sind tatsächlich seltener geworden. Die aufwendige Vorbereitung macht mir jedoch noch immer zu schaffen.

Endspurt. Während meine Kollegin neben mir ein Mohrenkopf mampft nippe ich an meinem Tomaten-Zitrus-Shake und frage mich, ob sich das ganze wirklich lohnt.

Nach zehn Tagen nun der alles entscheidende Schritt auf die Waage. Ob tatsächlich 3kg runter sind? Und tatsächlich: 69.2 kg zeigt der Display, daher -2.9kg. Wenn ich bedenke, wie viel und wie oft ich in diesen Tagen gegessen habe, ist das schon ein erstaunliches Ergebnis.

Die Diät hält also, was sie verspricht. Doch zu welchem Preis? Ich habe die Kassenquittungen gesammelt und den Gesamtbetrag ausgerechnet: CHF 272.35 haben mich diese 10 Tage gekostet. Neben dem finanziellen Aufwand gilt es auch, den zeitlichen Aufwand zu bedenken. Wer hat schon die Zeit, täglich 5 Mal eine frische Mahlzeit/Snack zuzubereiten. Für das enge Zeit- und Finanzbudget eines Studenten ist das Konzept also nicht weiterzuempfehlen.

Ich bin froh, nun wieder nach Lust und Laune und ohne Vorgaben meinen Kochlöffel schwingen zu können und was es bei mir heut zum Abendessen gibt dürftet ihr nun alle erraten…

Bon Appétit

Natalie Achermann (Dezember 2011)

 

Die neue Shape-Diät:

Dieses 10-tagsprogramm basiert auf dem Buch „Diät Coach – Intelligent abnehmen für Individualisten“ von Marion Jetter. Alle Rezepte sind mit sogenannten Zuckerteufeln und Fettpunkten bewertet. Pro Tag dürfen fünf Zuckerteufel und 50 Fettpunkte verbraucht werden.

Doch was bedeuten die Punkte? Je mehr Zuckerteufel in einem Nahrungsmittel enthalten sind, desto höher sei der glykämische Index (Glyx). „Je höher dieser ausfällt, desto höher steigt der Blutzucker- bzw. Insulinspiegel: was schlecht für die Figur ist.“ Schreibt die Autorin. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt um abzunehmen, nicht mehr als 50 Gramm Fett pro Tag zu essen. Daher die 50 Fettpunkte also.

Es können Rezepte ausgetauscht werden, solange die Bilanz der Fett- und Zuckerpunkte am Ende der Woche die vorgegebene Limit nicht überschreiten. Dadurch darf man sich auch mal eine ungesunde Mahlzeit gönnen, wenn man dafür an den anderen Tagen Punkte spart oder durch Sport Bonuspunkte erarbeitet.